Telemann Outreach Lab - Musikkonzepte von morgen

13.06.2021 12.13

22. - 27. Juni 2021, Magdeburg (Gesellschaftshaus)

Workshops und öffentliche Konzerte - live und mit Publikum:

Musikalische Wege in die Zukunft

Musikkonzepte von morgen stehen im Mittelpunkt eines neuen Veranstaltungsangebotes des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung. Das „Telemann Outreach Lab“ (22.-27. Juni 2021) ermöglicht jungen Ensembles, unter fachkundiger Anleitung über mehrere Tage hinweg intensiv an Musikformaten der Zukunft zu arbeiten und dem Publikum spannende Einblicke in ihre Ideenwelten zu gewähren. Jungen Musizierenden wird so beim Einstieg ins berufliche Leben
geholfen und der Diskurs zur Frage gesellschaftlicher Relevanz klassischer Musik kreativ angeregt.

Es ist ein Thema, das David Boos schon lange umtreibt. Er ist seit August 2020 künstlerischer Leiter der Veranstaltungen des Telemann-Zentrums und als Organist selbst aktiver Musiker, der die Lücken in der Ausbildung kennt: „Im Musikstudium an den Hochschulen erhält man zwar oft eine exzellente künstlerische Ausbildung, praktische Aspekte der Karrieregestaltung aber, wie z.B. ein breites Portfolio an praktischen und sozial-kommunikativen Fähigkeiten für den Berufsalltag, werden oft nur am Rande berührt. Nach dem Studium erfolgt oft ein raues Erwachen, auch schon vor Corona.“ Bereits seit Jahren begeben sich die meisten Absolvent*innen gezwungenermaßen auf den freien
Markt und müssen sich dort als Freischaffende behaupten. Corona hat diese ohnehin prekäre Situation weiter verschärft. Aus diesen Überlegungen heraus entstand die Idee eines Laboratoriums, in dem junge Musikerinnen und Musiker über Konzertformate der Zukunft in einen Austausch treten können, und zwar nicht nur in theoretischen Seminaren, sondern ganz praktisch in Coachings und anschließenden öffentlichen Präsentationen.

Die Workshops werden von praktizierenden Musiker*innen angeleitet, darunter Andreas Böhlen, der als Barockflötist und Jazzsaxofonist in verschiedenen musikalischen Welten unterwegs ist und an den Hochschulen in Zürich und Graz und unterrichtet, sowie von Musiker*innen des Ensembles „SPARK - Die klassische Band“. Das erfolgreiche Ensemble aus Karlsruhe ist ECHO-Preisträger, wird für seine musikalischen Grenzüberschreitungen geschätzt und verbindet musikalische Exzellenz mit neuen Wegen in der Musikpraxis. Geweitet wird der Blick außerdem durch Expertise aus der Wissenschaft und Medienbranche: Tim Flügge, Soziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Magdeburg und Göttingen, präsentiert die Ergebnisse seiner Forschungen zu Netzwerkstrukturen, politischen Positionierungen und Publikumserwartungen in der Kulturbranche. Den Aspekten der Visualisierung von Musik, z.B. durch den Einsatz von Creative Coding oder Publikumsinteraktion, wird sich der Kommunikations- und Interaktionsdesigner Max Fuchs zuwenden. Eine Übersicht über den Status Quo der Klassikbranche bietet der Gründer der Plattform betterconcerts.org Julian Rieken in seinem Vortrag. Natürlich beteiligen sich auch die Musikwissenschaftler des Magdeburger Telemann-Zentrums am Workshop und bringen ihr spezielles Wissen im Zusammenhang mit Werkerschließung und Programmgestaltung ein sowie zur Publikumszusammensetzung der als Alte-Musik-Fest etablierten Magdeburger Telemann-Festtage.

Junge Ensembles aus drei Ländern

Für die erste Auflage des „Telemann Outreach Lab“, das künftig regelmäßig einen festen Platz im Angebot des Telemann-Zentrums bekommen soll, haben sich vier junge Ensembles aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angemeldet.
Alle Ensembles reichten vorab Konzeptvorschläge ein, an denen während der Workshop-Tage intensiv „gefeilt“ werden soll. Für das Publikum, das am Sonnabend herzlich zu den Präsentationen eingeladen ist, ergeben sich so spannende Einblicke in innovative und experimentierfreudige Modelle der Musikrezeption. So wird beispielsweise mit dem Zufall gearbeitet und damit die Flexibilität der im 18. Jahrhundert üblichen variablen Stimmeinsätze über den Einsatz von Farben für das Publikum visualisiert. Ein anderes Ensemble löst die klassische Konzertsaalsituation auf und ermöglicht dem sich frei im Raum bewegenden Publikum nicht nur einen optischen, sondern auch akustischen Perspektivwechsel. Wieder ein anderes Konzept sieht vor, dass das Publikum mittels Vorabumfrage entscheidet, welche Instrumente in welcher Reihenfolge erklingen sollen, wodurch das Konzertgeschehen direkt beeinflusst wird. Im Mittelpunkt aller Konzerte stehen natürlich Kompositionen von Georg Philipp Telemann, die in spannenden Kombinationen mit Werken und Improvisationen vom 17. bis zum 21. Jahrhundert erklingen.

Barock trifft Gegenwart

Die Dozierenden legen aber auch selbst Hand an ihre Instrumente: Das Ensemble SPARK präsentiert am Freitag, 25.6., 19.30 Uhr, sein Programm „Be Baroque“ und Andreas Böhlen wird am Sonnabend, 26.6., 19.00 Uhr mit seiner Jazzband und dem Ensemble „alla mente“ zu hören sein. Beide Konzerte stehen sinnbildlich für die individuellen Profile dieser Ensembles, die ihre eigene Nische im Spannungsfeld zwischen historischer Aufführungspraxis, Jazz, zeitgenössischer Musik, Improvisation und alternativen Konzertformaten gefunden haben und somit methodisch den jungen Ensembles des Outreach Labs zum Vorbild gereichen können.

Bereits ab Mittwoch, 23.6., werden täglich mit Unterstützung der Videoabteilung aus dem Gröninger Bad regelmäßig Programmangebote per Youtube- und Facebook-Livestream live übertragen, darunter eine Reihe von Vorträgen, Workshops, Podcasts, sowie eine Podiumsdiskussion am Donnerstag-Abend. Der krönende digitale Abschluss wird die moderierte Übertragung der Konzerte und einiger Highlights der Lab-Woche am Sonntag, 27.6., von 17-23 Uhr sein.

Das „Outreach Lab“ ist ein neues Format, reiht sich aber nahtlos in die Inhalte der Gedankenwelt Telemanns ein. Der gebürtige Magdeburger vermochte sein Publikum ein Leben lang mit vielseitigen, immer wieder überraschenden Kompositionen und Konzertformaten zu begeistern. Aus musikalischen Traditionslinien heraus gestaltete er eine „neue Musik“ in seiner Zeit. Kreativ und mit unternehmerischer Begabung erreichte er dabei sein Publikum mit zum Teil noch heute gültigen Formen und Konzepten. In einer Welt, in der die letzten Gewissheiten für Musikschaffende wegbrechen, ist Telemann ein idealer Schirmherr für eine Initiative, die jungen Ensembles dabei hilft, ihre Zukunft selbst aktiv zu gestalten.

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